Alexander Drößler

Media Entrepreneur

Was die Missouri School of Journalism zu bieten hat und warum ich was belege…

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Entdecke die Möglichkeiten!

Die School of Journalism bietet für Graduate Students etwa 80 verschiedene Seminare an. Das ist mit deutschen Journalistik-Studiengängen überhaupt nicht vergleichbar. Im Prinzip gibt es hier nichts, was es nicht gibt. Da ist es gar nicht so einfach, sich für drei Seminare zu entscheiden. Ich belege in diesem Semester Media Ethics, Journalism and Chaos und International News Media Systems. Es gibt Spannenderes, könnte man da sagen. Ja, gibt es tatsächlich. Einiges… Allerdings muss ich darauf achten, dass ich mir einige Seminare in Hamburg anrechnen lassen kann. Dort müsste ich im dritten Semester Ethik und internationale Mediensysteme machen. Ganz ehrlich: Ethische Theorien und deren praktischer Bezug sind auf Englisch echt nicht so einfach und auch relativ langweilig.

Chaotische Zeiten – Zeit für neue Modelle?

International News Media Systems ist dagegen echt interessant. Mein Professor lädt jede Woche einen Gast ein, der entweder tatsächlich zu uns in die Vorlesung kommt, oder per Skype erzählt, wie Journalismus in seinem Heimat- oder Arbeitsland funktioniert. Bislang hatten wir Journalisten aus Malaysia, China und Georgien da, Donnerstag sprechen wir mit jemandem aus Nigeria.

Der Seminartitel Journalism and Chaos klingt erstmal ein wenig seltsam. Aber seltsam und chaotisch ist ja auch die Zeit, in der wir (also wir Medienmenschen) uns gerade befinden. Zeitungen werden eingestampft, Agenturen machen dicht, und so weiter und so fort. Im Gegensatz zu uns Deutschen sind die Amerikaner aber sehr fleißig am rumexperimentieren und suchen neue Wege, um mit Journalismus in welcher Form auch immer Geld zu verdienen. Wie das funktioniert (oder funktionieren könnte) und was es heißt, ein Entrepreneur zu sein, ist Thema dieses Kurses. In diesem Rahmen fahre ich auch in zwei Wochen nach Washington, um dort bei Unternehmen wie Bloomberg, CNN, Washington Post und anderen zu erfahren, wie sie mit wandelner Mediennutzung und veränderter Einnahmesituation umgehen. Das Seminar kann ich mir im Wahlbereich in Hamburg anrechnen lassen.

Mein erstes Semester in Missouri ist also sehr vorlesungsorientiert. Eines weiß ich jetzt schon: Das nächste Semester wird anders. Ich könnte zwar weiter strikt nach dem Hamburger Modulplan gehen, aber das wäre verschenktes Potenzial. Da studiere ich dann doch lieber noch ein Semester länger.

Drohnen, Data- und Participartory Journalism

Es ist einfach unglaublich, welche Möglichkeiten es hier gibt, meine journalistischen Fähigkeiten zu erweitern und zu verbessern. Es ist überhaupt kein Problem, neue Dinge auszuprobieren und zu lernen, die in Deutschland momentan undenkbar ist. Es gibt zum Beispiel ein Seminar, in dem die Teilnehmer lernen, eine Drohne zu steuern. Die Drohne kann Bild und Tonaufnahmen machen und eröffnet somit völlig neue Erzählperspektiven.

Zwei weitere Felder, die mich sehr interessieren, sind Computer Assisted Reporting und Participartory Journalism. Computer Assisted Reporting meint Datenjournalismus, der meiner Meinung nach ein großes Potenzial für journalistiche Onlineangebote besitzt: Weg vom ewigen Personalisieren, hin zur Geschichte hinter großen Datenbänken oder die Verknüpfung von Beidem. Natürlich nicht in total textlastiger Darstellung, denn das Internet sollte viel mehr bieten als eine Zeitung zum ausdrucken. Das haben viele Verleger leider noch nicht für sich entdeckt. In Deutschland experimentieren ja vor allem der Spiegel und die Süddeutsche mit Datenjournalismus, ansonsten passiert da noch nicht viel. 

In Participartory Journalism geht es um die veränderte Beziehung des Journalisten zum Publikum. War ein Journalist früher lediglich ein Gatekeeper, so ist er doch immer mehr zum Gatewatcher geworden. Wie können Mediennutzer am journalistischen Prozess und am Endprodukt teilhaben? Führt das zu besserem Journalismus? Wenn ja, wie?

Ein anderer interessanter Bereich ist Convergence Journalism: Wie lassen sich Geschichten durch das Zusammenspiel von Text, Video, Bild und Ton besser darstellen? Worauf kommt’s dabei an?

Seminare in Zusammenarbeit mit lokalen Medien

Das Tolle hier in Missouri ist, dass diese Kurse sehr praktisch sind. Klar, Praxis gibt es auch in den Hamburger Seminaren. Hier jedoch wird gleich darauf geachtet, dass möglichst alles veröffentlicht wird. Deshalb arbeitet die Uni mit den lokalen Medien in Columbia zusammen. Dazu gehören zum Beispiel ein regionaler TV-Sender, ein lokaler Radiosender, eine Lokalzeitung, ein wöchentliches Magazin, das Start-Up newsy.com (von dem ich ja schon berichtet habe) oder eine internationale Journalismuszeitschrift. Die Kurse setzen sich dann aus Vorlesung und Newsroom-Arbeitszeit zusammen. Das ist schon quasi wie ein Volontariat.

Kurz gefasst: Mein erstes Semester mit Vorlesungen, das zweite mit Praxis. Das hat übrigens auch damit zu tun, dass ich mich im zweiten Semester wohl mit dem Englisch weitaus leichter tun werde, als es momentan der Fall ist. Und das ist für journalistisches Arbeiten ja auch verdammt wichtig.

Liebe Grüße!

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