Alexander Drößler

Media Entrepreneur

American New Media Business Models: Was deutsche Verleger daraus lernen können

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In dieser Woche hat Cesca Antonelli, die Redaktionsleiterin des Bloomberg TV Studios Washington DC einen Gastvortrag in meinem Kurs gehalten. Ich denke, von ihren Gedanken können sich deutsche Verleger, Chefredakteure und Medienmacher etwas abgucken. Die totale Publikumsorientierung soll das Erfolgsrezept amerikanischer Medien sein.

Zunächst ein eher allgemeiner Gedanke für ein gutes Medienangebot und ein funktionierendes Geschäftsmodell drum herum: Das Allerwichtigste ist es, sein Publikum genau zu kennen. Für wen mache ich mein Medienangebot? Warum sollte der Konsument ausgerechnet zu mir kommen? Ebenso wichtig ist es, das eigene Produkt bestens zu kennen. Eine zentrale Frage ist dazu, wie das Publikum mein Newsprodukt konsumiert. Problematisch kann es für ein Geschäftsmodell werden, wenn es einen Unterschied zwischen denen gibt, die für den Journalismus bezahlen und denen, die ihn lesen. Das ist ja momentan mit dem rückläufigen Anzeigengeschäft nicht neu zu beobachten.

Amerikanische Verleger haben mit drei unterschiedlichen Wegen auf diese Entwicklung reagiert:

1. Digital First:
Einige Zeitungen haben ihr Konzept so ausgerichtet, zunächst für das Digitale zu produzieren und am Ende daraus eine Zeitung für den nächsten Tag zu machen. Damit sie Geld verdienen können, sind sie vor Allem auf Scoops angewiesen, um genügend Besucher auf ihre Internetseite locken zu können. Laut Antonelli seien Scoops wichtiger, als tiefgehende Analysen. Die liefern auch eher Wochenzeitungen. Zentrales Element der Strategie ist Social Media, um vor allem junge Leute zu gewinnen, die keine Lust haben, jeden Tag die Internetseite von Zeitungen aufzurufen und ihre News lieber durch Facebook, Twitter etc. erfahren. Man kann sich allerdings die Frage stellen, ob diese Strategie das Medium Zeitung nicht komplett überflüssig macht. Wozu sollte der Leser noch die Zeitung kaufen, wenn er alles auf der Internetseite findet? In den USA konsumieren 2013 mehr Menschen digital ihre Nachrichten, als über andere Medien.

2. Premiummarken:
Die New York Times wird gelesen, weil sie die New York Times ist und einen unheimlich hohen Markenwert hat. Zeitungen wie sie setzen auf Paywalls und eine tolle, “snazzy”App, mit der sich Geld verdienen lässt. Sie setzen darauf, dass der Leser zu ihnen kommt, weil sie das beste Produkt haben. Dabei kann man sich fragen, ob sie auch schnell genug sind, oder ob der Leser die aktuellsten Nachrichten nicht doch schon woanders gelesen hat und den Mehrwert durch eine tolle App oder besonders schön ausgearbeitete und dargestellte Geschichten dann doch nicht so groß ansieht. Der Markt dafür scheint aber da zu sein, wenn sich Medienmacher einmal genau fragen, wie die Leser die Nachrichten aufbereitet haben möchten.

3. Nischen:
Nach dem Grundsatz “as the internet gets bigger, smaller ideas get better” bietet das Internet Raum für Nischenprodukte. Warum nicht ein Onlinemagazin über amerikanischen Hochschulsport eröffnen? Ein gutes Beispiel in Deutschland ist das Onlineportal www.liga3-online.de. Ein paar junge Menschen vermissten in Kicker, Sportbild etc. Berichte zur dritten Liga und machen sie nun einfach selbst. Was als kleines Blog anfing, hat nun eine beachtliche Reichweite. In den USA wird auch hier mit Paywalls experimentiert. Wenn die Einzigartigkeit nur groß genug ist und das Medium auch Scoops produziert, warum sollten Leute nicht dafür bezahlen?

Ein besonderes Geschäftsmodell haben beispielsweise das Politmagazin Politico (www.politico.com) und der TV-Sender Bloomberg, der vor allem auf weltweite Wirtschaftsnachrichten setzt. Politico macht sein Geld mit wechselnden Modellen und einer Mischung aus Web, Print (was nach Antonelli aber eher Marketing für den Rest zu sein scheint), Alerts, Newsletter und Abonnenten. In Zukunft probieren sie sich wohl auch in weiteren Nischen aus, mit PoliticoPro Education wollen sie zum Beispiel Bildungsthemen besetzen.
Bloomberg hingegen verdient das meiste Geld mit sogenannten Bloomberg Terminals. Dahinter steckt ein Computersystem, was Wirtschafts- und Finanzdaten live analysiert und z.B. von Banken und Versicherungen erworben wird. Das hatte allerdings zur Folge, dass es Bloomberg während der Bankenkrise nicht besonders gut ging.

Egal welches Mediengeschäftsmodell einen derzeit zum Erfolg führt, eines sollte sich jeder Medienmacher wohl permanent fragen: Funktioniert mein Geschäftsmodell morgen auch noch?

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