Alexander Drößler

Media Entrepreneur

Was der Verkauf der Washington Post an Jeff Bezos bedeutet:

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Eine weitere Station meines Trips nach Washington DC vor einigen Wochen war die Washington Post. Wenige Wochen zuvor war der Verkauf des Blattes an Amazon-Gründer Jeff Bezos bekannt geworden. Eine derart traditionsreiche Zeitung im Besitz eines großen Unternehmens, dass wie wenige andere sinnbildlich für Erfolg im Digitalgeschäft steht, sorgte auch in der Redaktion für Wirbel. Der neue Eigentümer sollte keine Verlegerfamilie oder ein bekanntes Medienunternehmen sein, sondern zu einem Online-Kaufhaus gehören. Kann das gut gehen?

Die Kunden zuerst, Innovtion und Geduld

Ja, sagt Greg Schneider, National Economy and Business Editor bei der Wash Post. Seiner Meinung nach blieb blieb den vorherigen Eigentümern gar nichts anderes übrig, sollte die Post erfolgreich bleiben. Sie hat wie die meisten amerikanischen Tageszeitungen mit Umsatzeinbußen zu kämpfen. Für Schneider waren die alten Inhaber schlicht nicht mehr innovativ genug: “Sie hätten weiter sparen und weiter Journalisten entlassen können, aber das hätte irgendwann das Ende bedeutet.” Stattdessen gingen sie einen neuen Weg und verkauften an Jeff Bezos. Der steht für Weltklasse. Sein neuer Weg beinhaltet laut Bezos die drei Ansätze, die auch Amazon groß gemacht hätten: Die Kunden zuerst, Innovation und Geduld.

Augmented Print Experience

Was die Kunden tatsächlich wollen, scheint bei vielen Medienunternehmen  auf der Strecke geblieben zu sein. Anders kann ich mir deren leider häufige Innovations- und Transformationsresistenz nicht erklären. Bezos will das bei der Washington Post ändern. Greg Schneider kann sich vorstellen, dass das Blatt technologisch von Amazon lernen kann. Wer ein eigenes Tablet baut, der wird auch wissen, wie dafür optimal Inhalte geschaffen werden können. “Augmented Print Experience” nennt Schneider das, was die stärkere Verknüpfung vom digitalen Angebot mit der Zeitung meint. Um wieder kostendeckend zu arbeiten, hat die Washington Post sieben Jahre Zeit.

Hyperjobs für Digital Natives

Währenddessen müssen auch die angestellten Journalisten mit Veränderungen in ihrer Tätigkeit rechnen: “Nur ein Printreporter zu sein, ist ein zurückgehendes Geschäft.” Ein Hyperjob sei das, was Journalisten zukünftig mit Social Media, Print, Audio, Video und Foto können sollten. Deshalb sei eine gute Ausbildung umso wichtiger, die Jobmöglichkeiten aber auch umso besser. Schwarzsehen tut Schneider für die Chancen junger Journalisten nicht, denn: “Sie können kein Blog mit alten Journalisten starten. Dafür brauchen Sie die Digital Natives.”

Weiterhin kritische Recherche – auch über Amazon

Auch die sollen zukünftig bei der Washington Post für großartige Recherche stehen. Den neuen Eigentümer sieht Greg Schneider dabei nicht als Hindernis: “Klar werden wir weiter kritisch über Amazon berichten! Jeff Bezos hat klar gemacht, dass er sich nicht ins Tagesgeschäft einmischt. Und glauben Sie mir, es war seit jeher nicht einfach, über Amazon zu recherchieren. Das wird sich auch nicht ändern.” Man müsse schließlich unterscheiden: “Die Washington Post gehört nun zu Jeff Bezos – aber nicht zu Amazon.” Die Redaktion werde aber künftig über die Eigentümersituation informieren, wenn sie kritisch über den Online-Versand berichtet.

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