Alexander Drößler

Media Entrepreneur

Mehr Medienethik wagen

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Momentan wird mit dem Regener Landrat Michael Adam die nächste Sau durch’s Dorf getrieben. Er hatte Sex in seinem Büro und nahm dabei auch noch Poppers, eine Sexdroge, die häufig von Homosexuellen konsumiert wird. Ich möchte nicht darüber spekulieren, was passiert wäre, wenn Michael Adam nicht schwul wäre. Das haben Andere schon gemacht. Ich möchte auf ein Zitat von Kuno Haberbusch hinaus, einen Satz, den er auf der diesjährigen Konferenz von Netzwerk Recherche gesagt hatte: „Journalisten legen Maßstäbe an, die sie oftmals selbst nicht einhalten.“ Der Bericht zur Veranstaltung über Medienhetze fasst weiter zusammen: “Auch Hans Leyendecker forderte etwas weniger Selbstgerechtigkeit unter den Kollegen. Diesmal widersprach ihm niemand.” Dabei ist vor Allem der letzte Satz interessant. Denn täglich grüßt das Murmeltier. So ist es nach Wulff und Hoeneß jetzt der Regionalpolitiker Michael Adam, über den gerichtet wird. Zugegeben: Eigentlich ist es nur ein Verlagshaus, was richtet. Die Zeitungen mit den vier Buchstaben aus dem Springer-Haus sind ganz vorne dabei. Scheinbar so weit, dass sich der Landrat genötigt sieht:

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Das Zitat stammt übrigens von Bild.de. An diesem Beispiel wird erneut deutlich, was wir in der deutschen Medienlandschaft und Journalistenausbildung dringend brauchen: Mehr Diskussionen über Medienethik. Mir scheint, als wird sehr viel darüber gesprochen, was erlaubt ist, und was nicht. Im Gegensatz dazu aber nicht über ethische Fragen. Da scheint die amerikanische Journalistenausbildung der Deutschen einen Schritt voraus zu sein. Es ist wichtig, über die Rechte, Rollen, Verantwortungen und Plichten von Journalisten zu reden. Damit ist nicht bloß gemeint, “soll ich, oder soll ich nicht?” Es sollte eher eine andere Frage im Vordergrund stehen: “Warum?”

Warum sollten Journalisten diese und jene Recherchemethoden besser nicht anwenden – oder warum doch?
Warum sollten Journalisten ihre Quellen schützen – oder warum in gewissen Fällen nicht? 
Warum sollten Journalisten mögliche Interessenskonflikte thematisieren – oder warum nicht?
Warum sollten Journalisten die Öffentlichkeit über das Privatleben von Prominenten informieren – oder warum nicht?
Warum sind Journalisten in erster Linie ihrem Publikum verpflichtet – oder warum nicht?

Um solche Fragen zu beantworten, wird bewusst oder unbewusst meistens auf ethische Theorien zurückgegriffen, von Aristoteles, Kant oder anderen heute eher angestaubt wirkenden Theoretikern. Aber sich mit Fragen wie diesen auseinanderzusetzen, hilft besseren Journalismus zu machen. Das Verständnis vorausgesetzt, dass Journalismus dem Publikum dienen sollte – im Fall von Michael Adam müsste die Frage dann meiner Meinung nach lauten: Inwiefern hilft die Information, mit wem der Landrat wo Sex hat, dem Publikum, was in diesem Falle die Wähler in Regen im Bayerischen Wald sind, seine politische Arbeit zu beurteilen?

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