Alexander Drößler

Media Entrepreneur

Semesterferien!

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Es ist kaum zu glauben. Das erste Semester an der Missouri School of Journalism ist geschafft. Vor zwei Jahren hätte ich jeden verrückt erklärt, der mir gesagt hätte, dass ich jetzt hier sitzen würde um mein erstes Semester an einer der renommiertesten Journalism Schools der Welt zu resümieren. Vier Monate sind vergangen, seit ich am 7. August den Weg in die USA angetreten habe. Viel ist passiert und viel liegt noch vor mir in den kommenden Monaten bis Juni. Ein tolles Frühlingssemester und vorher eine tolle Reisezeit.

Seminar in New Orleans: Climate Change und Environment Protection

Manchmal kommt es mir so vor, als würde die Zeit rennen. Es kommt mir schon so lange vor, hier zu sein und doch habe ich “erst” die Rocky Mountains in Colorado, Washington DC und ein paar Orte in Missouri gesehen. Es gibt hier so viele tolle Orte, große abenteuerliche Städte und atemberaubende Natur. Einen Teil von beidem werde ich in den kommenden Wochen erleben dürfen. Nächste Woche fliege ich nach New Orleans an den Golf von Mexiko. Das Fulbright Enrichment Seminar kommt mir sehr entgegen, verkürzt es doch die Zeit bis Weihnachten enorm. Da hier Ende nächste Woche quasi alle Studenten zu ihren Familien quer in die Staaten zurückkehren, wäre es doch recht einsam. So kann ich nun vier Tage mit etwa 120 anderen Fulbright-Stipendiaten aus aller Welt über Climate Change und Environment Protection diskutieren und hautnah erleben, was dazu an der Küste Louisianas, die regelmäßig durch Hurricanes geschädigt wird, passiert. So wird die Zeit sicherlich schnell vergehen, bis ich mein persönliches tolles Weihnachtsgeschenk am Flughafen in Chicago abholen kann. Damit geht’s dann Silvester nach Miami, wo wir eine Rundreise zu den Everglades und auf die Keys machen werden. Ich kann kaum in Worte fassen, wie sehr ich mich darauf freue! Und das sage ich nicht bloß, weil da unten mindestens 25°C und nicht -14°C wie hier jetzt sein werden.

Von Media of the Future und Participatory Journalism

Am 13. Januar geht schließlich mein neues Semester los. Zumindest so halb. Eigentlich hätte ich ja gerne den semesterlangen Kurs in Computer-Assisted-Reporting gemacht, aber ich habe wohl keine Chance, dort reinzukommen. Schließlich ist der nahezu einzigartig und der Dozent ein absoluter Crack. Statt des Kurses kann ich zumindest an einem einwöchigen Bootcamp teilnehmen, in dem die gleichen Inhalte vermittelt werden sollen. Dafür gibts zwar keine Leistungspunkte für die Uni, aber das ist mir egal. Geht schließlich um die Inhalte. Die bekomme ich in der Form nur hier. Insgesamt fokussiere ich mich im kommenden Semester auf neue Medien. Ich freue mich drauf, in “Participatory Journalism” Konzepte von Publikumsbeteiligung kennen zu lernen auszuprobieren. Hauptfragen des Kurses: Wie können Journalisten authentisch ihr Publikum erreichen? Wie können wie es in journalistische Prozesse einbinden und wie kann Journalismus davon profitieren? Es geht um sich verändernde Rollenmodelle in einer sich wandelnden Medienwelt oder wie der Journalist vom Gatekeeper zum Gatewatcher wird. Das Schöne ist, dass hier nicht bloß Theorien und Forschungsstände behandelt werden. Ich werde im Rahmen des Kurses in der Redaktion der Lokalzeitung Columbia Missourian arbeiten, als Teil des Community Outreach Teams. Das bedeutet vor allem, aber nicht nur, mit Social Media zu experimentieren. Ich werde auch wieder an einer Business-Class teilnehmen. In “Entrepreneurship und Media of the Future” geht es darum, zusammen mit Journalism und MBA Studenten ein neues Geschäftsmodell für Unternehmen wie die AP, Bloomberg, NPR oder ein Start-up zu entwickeln. Schließlich werde ich auch noch weiter an meinen Journalism Skills arbeiten und im Kurs “Global News Across Platforms” für The Global Journalist Magazinbeiträge, Online Content und Radiobeiträge erstellen. Dabei geht es vordergründig um globale Medientrends und Pressefreiheit. Bei diesen Kursen ist der Unterschied zum deutschen Journalistik-Studium besonders deutlich erkennbar. Wo wir in Hamburg in Seminaren recherchierten, filmten und Texte schrieben, so machen wir das hier in professionellem und tagesaktuellem Umfeld für normale Produkte. Es ist einzigartig, wie die Missouri School of Journalism mit Zeitungen, Radio- und Fernsehsendern und Start-Ups zusammenarbeiten oder sie selbst betreibt. Das würde ich mir auch in Deutschland wünschen. Finanziell tragen sich die von der Uni betriebenen Unternehmen selbst, wie z.B. die Lokalzeitung. Ich habe den Eindruck, dass die Verzahnung von Theorie, Forschung und Praxis hier auf einem anderen Niveau ist, als an deutschen Journalistik-Fakultäten.

Globalization: The Post American World

Dieses Wintersemester hatte ich mich bei der Kursauswahl in erster Linie an meinem Studienplan in Hamburg orientiert. In “International News Media Systems” habe ich kennen gelernt, wie Journalismus in anderen Kulturen gemacht wird und an welchen Leitbildern er sich orientiert. Interessant dabei war, dass wir eine bunte Gruppe aus amerikanischen, europäischen und asiatischen Studenten waren und zudem jede Woche ausländische Journalisten zu Gast waren oder per Skype zugeschaltet wurden. So konnten wir z.B. mit einem dänischen Russlandkorrespondenten über Arbeitsbedingungen für Journalisten unter Putin diskutieren oder mit einem kenyanischen Journalisten über die Berichterstattung des Terroranschlages in der Westgate Mall sprechen. Ein weiterer Schwerpunkt des Kurses war Globalisierung. Für mich war es sehr spannend, dieses Thema aus amerikanischer Perspektive kennen zu lernen. Wer mehr darüber wissen möchte, dem lege ich Fareed Zakarias Buch The Post American World sehr ans Herz. Der CNN- und Time-Magazine-Journalist diskutiert darin die zukünftige Rolle der USA in Konkurrenz mit aufstrebenden Ländern wie China und Indien sowie der Europäischen Union. Positiv sehr überrascht hat mich mein Kurs in “Media Ethics”. Hatte ich vor Allem eine theoretische Auseinandersetzung erwartet, so ging es in erster Linie um das Rollenverständnis von Journalisten, deren Rechte Verpflichtungen und was daraus resultiert. Dabei ging es nicht darum, zu schauen, was rechtlich erlaubt ist und was nicht. Vielmehr diskutierten wir darüber, wie Medien funktionieren sollten und warum – oder warum nicht.
Außerdem habe ich in diesem Semester einen Business Plan geschrieben und eine eigene Geschäftsidee entwickelt. Zum Kurs “Journalism and Chaos – how to understand and cover 21st century business models” gehörte auch die Reise nach Washington mit zahlreichen Redaktionsbesuchen um dort über die Finanzierung und Veränderung von Journalismus zu diskutieren.

Von jetzt auf gleich: Mentalitätsunterschiede

Natürlich habe ich hier nicht nur in der Uni gesessen und studiert. Ich habe Land und Leute näher kennen gelernt. Das mache ich auch weiterhin. Mittlerweile verstehe ich besser, wie die Amerikaner sind und wieso sie so sind. Ich habe viele interessante Menschen kennen gelernt. Dazu gehören tolle, nette Menschen, die ich mittlerweile zu meinen Freunden zählen kann. So wurde ich zum Beispiel von einem meiner Freunde nach Hause zum Thanksgiving-Dinner mit seiner Familie eingeladen. Es war ein tolles Erlebnis, an so einem Familienfest teilnehmen zu dürfen. Diese Herzlichkeit der Amerikaner weiß ich sehr zu schätzen. Vor Allem, wenn man einfach mal spontan von der Mutter umarmt wird, weil man deutsche Weihnachtskekse als Gastgeschenk mitgebracht hat. Ich habe äußerst weltoffene und kritische Amerikaner kennen gelernt, mit denen ich stundenlang über alles Mögliche diskutieren kann. Auch das ist etwas, was dieses Jahr hier ausmacht. Interessant ist, dass jeder hier einen unterschiedlichen Migrationshintergrund hat. Das ist es wohl, was diesem Land ein so großes und stolzes Nationalgefühl verleiht, auch wenn viele junge Amerikaner derzeit eher enttäuscht und frustriert von dem sind, was in ihrem Land passiert. Ich hatte und habe aber auch Schwierigkeiten mit der amerikanischen Mentalität. Oft ist es nicht einfach zu erkennen, ob Freundlichkeit wirklich ernst gemeint ist und von Herzen kommt, oder es sich einfach nur um oberflächliche Höflichkeit handelt. Auch das gewisse “von jetzt auf gleich leben” war zunächst nicht ganz einfach für mich. Amerikaner können sehr spontan sein. Es kann sein, dass man sich mit fünf verschiedenen Leuten auf ein Bier verabreden muss, damit es mit einer Verabredung klappt. Die deutsche Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit gibt es hier so nicht. Mit der Zeit lernt man aber, damit zurecht zu kommen. Ich hoffe aber, dass ich in den nächsten Monaten nicht zu viel adaptiere 😉

Thank You for the Unique Possibility

Jeder Moment hier ist einzigartig. Ich versuche, jeden einzelnen davon so gut es geht zu genießen. Ich bin unendlich dankbar, hier sein zu dürfen. Ohne diese tolle Vereinbarung, die 1952 zwischen der Amerikanischen und der Deutschen Regierung geschlossen wurde, wäre das nicht möglich. Niemals könnte ich ohne Fulbright knapp 30 000 Dollar für ein Jahr Studium in den USA aufbringen. Danke! Mal schauen, wohin der Weg mich noch führt…

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