Alexander Drößler

Media Entrepreneur

Die Nachrichten sozialer machen

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Was ist Journalismus? Wer sind Journalisten? Was gehört zu ihren Aufgaben? Die Antworten auf diese Fragen scheinen einfach zu sein. So wurde es mir zumindest beigebracht. Traditionell ist ein Journalist doch objektiv, er beobachtet und gibt wider. Jetzt denke ich wieder über Fragen wie diese nach.

Bei meiner Arbeit im Community Outreach Team des Columbia Missourians benutzen wir sehr viele Social Media. Wir konzentrieren uns dabei in erster Linie auf das Wort “Social”. Durch das Web 2.0 mit seinen Kindern wie Facebook, Twitter, Blogs, Instagram und vielen anderen Tools können Medien ganz anders mit ihren Lesern – oder etwas weiter gefasst – mit ihrer Community kommunizieren. Es findet keine reine Einwegkommunikation mehr statt, die der Leser höchstens durch einen Leserbrief beeinflussen konnte, natürlich mit der Redaktion als Filter. Heute kann jeder mitmachen im “Free Flow of Communication”. Journalisten können ihn beobachten, herausfischen was sie für wichtig erachten und: mitmachen. Dazu gehört mehr als nur lustige, in der Redaktion entstandende Bildchen auf Facebook hochzuladen um Likes zu erhaschen.

Dafür bieten sich vier Fragen an, die sich Journalisten stellen sollten:

1. Wer ist das Publikum für diese Geschichte?

Das Publikum einer Lokalzeitung mag in erster Linie die Breite Masse der Bevölkerung einer Stadt oder eines Landkreises sein.
Das Publikum für einen Nachruf eines gerade gestorbenen älteren Countrymusikers wohl eher nicht. Wie ein Trichter lässt sich für jedes Thema eine Kernzielgruppe destillieren. Vielleicht reden ja auch schon Leute über ein Thema?

2. Wer kann die Berichterstattung bereichern?

Bleiben wir mal bei einem Nachruf. Der enthält vielleicht ein paar Zitate von Persönlichkeiten, die den Menschen gekannt haben. Womöglich auch ein paar “Voxen”, die Stimme des Volkes. Aber mal ehrlich: Da werden die nach Wahrnehmung des Journalisten die Interessantesten herausgefiltert. Einen ganz anderen Weg ist im Herbst der Columbia Missourian gegangen: In diesem Facebook-Album sind alle eingefangenen oder eingesandten Stimmen als Fotoalbum gesammelt. Ein Blick darauf lohnt!

3. Kann ich mit meinem Thema und dem Recherchestand an die Öffentlichkeit gehen?

Klar, hochinvestigative Stücke oder Gerüchte, die überprüft werden wollen, sollten besser nicht in sozialen Netzwerken geteilt werden. Über den Post “Haben gehört, der Bürgermeister hinterzieht Steuern, weiß da jemand mehr drüber?” sollte man besser mehrfach nachdenken. Trotzdem: Crowdsourcing kann Journalismus bereichern!
Wieder ein Beispiel aus dem Missourian, diesmal aber ohne Link, weil der Artikel mittlerweile hinter einer Paywall verschwunden ist. Im vorherigen Winter gab es hier in Columbia wohl ein ziemliches Schneechaos. Weil sehr viele Unfälle passierten, es umso mehr glatte und nicht geräumte Stellen gab, aber nicht genügend Reporter, rief der Missourian dazu auf, Gefahrenstellen zu melden. Es entstand eine Google Maps Karte mit dem aktuellen Stand der Dinge. Jeder konnte einfach vom Smartphone ein Bild schicken bzw. eine Statusmeldung auf die Landkarte setzen. Das Risiko, dass Leute Unsinn eintragen, besteht natürlich. Aber seinen Lesern von vornherein zu misstrauen ist wohl nicht die beste Grundeinstellung.

4. Warum?

Oder: Was möchte ich mit meiner Geschichte erreichen? Rudolf Augstein sagte mal: “Ein leidenschaftlicher Journalist kann kaum einen Artikel schreiben, ohne im Unterbewußtsein die Wirklichkeit ändern zu wollen.” Um mitzubekommen, ob sich etwas verändern, müssen Journalisten zunächst einmal zuhören. Man könnte auch vereinfacht sagen, das Ziel ist es, Anschlusskommunikation zu erzeugen und Teil davon zu sein. Oft wird in traditionellen Redaktionsstrukturen schnell weiter mit der Tagesordnung gemacht und das nächste Thema steht an. Ohne weiter zu zu hören.

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