Alexander Drößler

Media Entrepreneur

Interview: „Nachrichten sind dort, wo Menschen sind“

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Im Dezember 2013 hat mich ein Kollege, der in Hannover Journalismus studiert, für sein Seminar interviewt. Aus dem Gespräch entstand folgendes Interview:

„Nachrichten sind dort, wo Menschen sind“

Interview: Jan Reinholz

Alexander Drößler (24) ist Masterstudent der Journalistik an der Universität Hamburg und als Fulbrighter zwei Semester an der University of Missouri, eine der besten Journalistenschulen in den USA. Er erzählt über das Studium in den Staaten, Chancen für junge Journalisten und seinen Idealismus.

Warum wolltest du in Zeiten von Bürgerjournalismus und Web 2.0 Journalismus studieren?

Gerade deshalb. Weil es die spannendste Zeit überhaupt ist, die man als junger Journalist haben kann. Weil man nicht in ein festgefahrenes System hineingeboren wird, sondern mitgestalten kann. Es wird viel gejammert, die Jobaussichten sind schlecht. Aber gerade das finde ich so spannend. Zu sehen, wie sich das ganze Branchenbild im Zuge der Digitalisierung verändert. Das öffnet mehr Chancen als Risiken. Aber warum ich persönlich Journalist werden wollte: Es gibt auf dieser Welt viele tolle Geschichten zu erzählen, die es wert sind, entdeckt zu werden. Und ich finde es sehr spannend, Missstände aufzudecken und darüber zu berichten. Mit der Hoffnung, dass sich irgendwas tut. Ich habe da so einen gewissen Idealismus, von dem ich auch hoffe, dass er noch lange bleibt. Da fängt die Leidenschaft für den Beruf an.

Warum wolltest du im Master ausgerechnet in die USA?

Weil alle Trends, die momentan entwickelt werden, hier her kommen. Welche Unternehmen haben gerade im Medienbereich Bedeutung? Da kommt man an Facebook, Apple, Twitter oder Google zum Beispiel nicht vorbei. Und ich glaube, man kann sagen, dass die Amerikaner zwei, drei Jahre Vorsprung vor dem deutschen Markt haben, was neue Technologien, deren Einsatz und Entwicklung angeht. Und ich wollte einfach hier etwas davon mitnehmen. Für mich und dafür, wo ich später arbeiten werde. Und dafür ist Missouri eine Top-Adresse.

Inwiefern unterscheidet sich die Journalistenausbildung in den USA von der in Deutschland?

Die Kurse hier sind viel kleiner als in Hamburg. Und es ist nicht so, dass der Professor dich nur bequatscht, sondern mit dir diskutiert. Vor allem habe ich noch nie so hart arbeiten müssen, obwohl ich nur drei Kurse pro Semester belege. Aber der größte Unterschied ist eigentlich, dass man das Studium hier mit einem Volontariat in Deutschland vergleichen kann. Nur, dass man einen besseren theoretischen Hintergrund mitnimmt. Die Uni besitzt hier eigene Medien oder kooperiert. Ich arbeite zum Beispiel bei einer Lokalzeitung, dem „Columbia Missourian“. Der wird überwiegend von Studenten betrieben, mit Redakteuren als „Betreuer“. Das nennen wir hier Missouri Method. So etwas vermisse ich in Deutschland.

Was sagst du persönlich zur Zukunft des Journalismus?

Es wird immer Journalismus geben, egal in welcher Form. Und es wird immer harte Nachrichten geben. Wir müssen nur schauen, wie wir sie unserem Publikum so präsentieren, dass wir dessen Aufmerksamkeit bekommen. Da müssen wir überlegen, ob das in Deutschland momentan noch richtig passiert. Nachrichten müssen da sein, wo Menschen sind. Und das ist heutzutage nicht mehr nur am Zeitungskiosk, sondern auch in sozialen Netzwerken. Deshalb ist es wichtig, dass man versucht, dort die Leute abzuholen.

Was würdest du angehenden Journalisten mit auf den Weg geben?

Leidenschaft entwickeln. Wenn man die hat, so schnell wie möglich schreiben und veröffentlichen. Das kann man heutzutage super mit Blogs. Außerdem sollte man sich eine Nische suchen, über die man schreibt. Man muss sich ja von anderen abgrenzen. Dann hat man vielleicht eher oder schneller eine Chance. Man darf sich von Leuten nicht
aus der Ruhe bringen lassen. Wenn du ein Ziel vor Augen hast, dann tu was dafür!

Vielen Dank für das inspirierende Gespräch!

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