Der digitale Ort als Chance für den Lokaljournalismus

Wir sind mit Lokalportal mit dem Vor Ort NRW – Preis für Innovation im Lokaljournalismus ausgezeichnet worden. Was hinter unserer Idee des digitalen Ortes steckt und was das Nachrichtenökosystem für den Lokaljournalismus bedeutet:

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Wir sind mit Lokalportal mit dem Vor Ort NRW – Preis für Innovation im Lokaljournalismus ausgezeichnet worden. Zeit, darüber zu sprechen.

Im April 2017 saß ich beim International Journalism Festival in Perugia im Publikum eines Panels, in dem es um Lokaljournalismus und seine Finanzierung ging. Ich erinnere mich gut daran, wie Rasmus Kleis Nielsen vom Reuters Institute for the Study of Journalism an der Uni Oxford die Dinge sah: „Weder Nische noch Skalierung funktionieren nachhaltig lokal.“ Stattdessen sollten sich lokale Medien darauf rückbesinnen, was lokaler Journalismus eigentlich bedeute. Sein Rat war, sich zu fragen, welche Probleme der Gesellschaft lokale Medien eigentlich lösen würden. Man solle sich doch darauf reduzieren und nicht jeden Tag eine beliebige Zahl „Content-Items“ veröffentlichen. Der Business Case von Lokalzeitungen sei doch ganz einfach: „Bringing people together.“

Dieser Satz passt sehr gut zu dem, was wir mit Lokalportal machen. Hinter Lokalportal stehen ein Startup aus Hamburg und ein Zeitungsverlag, die Neue Westfälische aus Bielefeld. Zusammen bauen wir den digitalen Ort. Wir glauben an ein Ökosystem für lokale Inhalte und lokalen Austausch und bringen Lokaljournalismus direkt in die Nachbarschaft. Dabei sehen wir Journalismus nicht nur auf der klassischen, eher eindimensionalen „Sender-Empfänger“-Nachrichtenseite, wo im schlimmsten Fall in den Kommentarspalten Pseudonyme vor sich hin brüllen. Stattdessen betrachten  wir die lokale Gemeinschaft in ihren Einzelteilen. Welche Ziele haben ihre Mitglieder? Was tragen sie zur lokalen Gemeinschaft bei? Wie können wir dem auf Lokalportal.de Rechnung tragen?

Nachrichten aus der direkten Umgebung stehen auf Lokalportal im Mittelpunkt

Nachbarn, Akteure des öffentlichen Lebens wie Vereine, Initiativen und Behörden, genauso wie Journalisten und Gewerbe: Sie alle schaffen den „digitalen Ort“. Ob der Laden um die Ecke schließt, eine Straßensperrung geplant ist oder eine Veranstaltung vor Ort stattfindet – lokale Neuigkeiten, nachbarschaftlicher Austausch und Informationen aus der direkten Umgebung, dem Dorf oder dem Stadtviertel, stehen auf lokalportal.de im Mittelpunkt.

Es geht uns darum, die echte lokale Gemeinschaft auf zeitgemäße Art und Weise abzubilden. Auf unserer Plattform treffen sich Menschen, die auch im echten Leben Tür an Tür wohnen – und sich manchmal gar nicht kennen. Stadt- und Gemeindeverwaltungen können einfach mit den Bürgern kommunizieren. Vereine erreichen im Lokalportal die Menschen in ihrem Ort und halten sie schnell und einfach auf dem Laufenden. Sie können auf Angebote oder Veränderungen aufmerksam machen, kommende Veranstaltungen veröffentlichen oder über gelungene Ereignisse berichten und sich mit den Menschen aus ihren Ort darüber austauschen. Für sie ist Lokalportal eine Möglichkeit, Menschen aus dem Stadtviertel zu erreichen, was sie so über die Zeitung, mit ihrer eigenen Internetseite oder auch über Facebook so nicht immer schaffen. Auch Gewerbe sind Teil des digitalen Ortes. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen, beispielsweise lokale Einzelhändler, ist Lokalportal eine Chance. Auf Grund hoher Kosten, großer Streuverluste und nicht passenden Zielgruppen werben sie häufig eh nicht mehr in der Zeitung. Sie können auf der Plattform auf Ihre Angebote aufmerksam machen und Menschen aus der Umgebung erreichen.

Partizipativer Journalismus auf Augenhöhe

Konsequent betrachtet haben Journalisten im digitalen Nachrichtenökosystem keine Gatekeeper-Rolle mehr. Umso wichtiger ist es, Journalismus auf Augenhöhe mit den Nutzern zu schaffen und sie in den journalistischen Prozess miteinzubeziehen. Jeff Jarvis hat das in seinem Essay „If I Ran a Newspaper“ so beschrieben:

„Rather than merely creating a product called content and attracting an audience to sell to advertisers — our old model — we can now reconceive of journalism as a service to our communities, convening them into informed, civil, and productive conversation and helping them improve their lives. We must shift from media-centric products — our newspaper, our content, our home page, our comments — to public-centric services: a place for people to come together with residents of their town, a means of connecting with others who are concerned about filthy park to get it fixed; and so on.“

In unseren beiden Piloten in Paderborn und Bünde moderieren Redakteure und Reporter der Neuen Westfälischen diesen Austausch und füttern Lokalportal mit Nachrichten aus der Umgebung. Sie regen Diskussionen im Lokalportal an, haben ein offenes Ohr für die Nachbarn und greifen deren Ideen und Wünsche auf und bitten sie, ihre Gedanken zu einem Thema einzubringen. Sie geben nicht bloß Themen vor, sondern ergründen, was die Nachbarn bewegt und beteiligen sie in der Berichterstattung, ob durch Crowdsourcing, Umfragen oder Feedback zu Themenideen. Auf Lokalportal posten die Reporter entweder als Person oder als Marke NW direkt in den Newsfeed und wählen aus, ob ein Inhalt auf Stadt- oder lediglich auf Stadtteilebene sichtbar ist. So agieren und engagieren sie sich auf Augenhöhe mit den Nachbarn in der digitalen Gemeinschaft. Zudem sorgen sie für Objektivität im Portal und bereichern den digitalen Ort mit Informationen, die die lokale Gemeinschaft nicht selbst liefern kann. So erfahren Nachbarn auf einen Blick was vor Ort los ist – und können sich selbst einbringen.

Ein lokales digitales Ökosystem entsteht

Gedacht ist Lokalportal als synergetischer Kooperationsansatz. So bietet sich die einmalige Chance, ein lokales digitales Ökosystem aufzubauen, in dem die lokale Gemeinschaft sich austauscht und Wertschöpfung betreibt. Über Paderborn, Bünde und ganz Ostwestfalen hinaus.

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