Die Nachrichten sozialer machen

Was ist Journalismus? Wer sind Journalisten? Was gehört zu ihren Aufgaben? Die Antworten auf diese Fragen scheinen einfach zu sein. So wurde es mir zumindest beigebracht. Traditionell ist ein Journalist doch objektiv, er beobachtet und gibt wider. Jetzt denke ich wieder über Fragen wie diese nach.

Bei meiner Arbeit im Community Outreach Team des Columbia Missourians benutzen wir sehr viele Social Media. Wir konzentrieren uns dabei in erster Linie auf das Wort “Social”. Durch das Web 2.0 mit seinen Kindern wie Facebook, Twitter, Blogs, Instagram und vielen anderen Tools können Medien ganz anders mit ihren Lesern – oder etwas weiter gefasst – mit ihrer Community kommunizieren. Es findet keine reine Einwegkommunikation mehr statt, die der Leser höchstens durch einen Leserbrief beeinflussen konnte, natürlich mit der Redaktion als Filter. Heute kann jeder mitmachen im “Free Flow of Communication”. Journalisten können ihn beobachten, herausfischen was sie für wichtig erachten und: mitmachen. Dazu gehört mehr als nur lustige, in der Redaktion entstandende Bildchen auf Facebook hochzuladen um Likes zu erhaschen. Continue reading “Die Nachrichten sozialer machen”

Semesterferien!

Es ist kaum zu glauben. Das erste Semester an der Missouri School of Journalism ist geschafft. Vor zwei Jahren hätte ich jeden verrückt erklärt, der mir gesagt hätte, dass ich jetzt hier sitzen würde um mein erstes Semester an einer der renommiertesten Journalism Schools der Welt zu resümieren.

Vier Monate sind vergangen, seit ich am 7. August den Weg in die USA angetreten habe. Viel ist passiert und viel liegt noch vor mir in den kommenden Monaten bis Juni. Ein tolles Frühlingssemester und vorher eine tolle Reisezeit. Continue reading “Semesterferien!”

Was der Verkauf der Washington Post an Jeff Bezos bedeutet:

Vor einigen Wichen war der Verkauf der Washington Post an Amazon bekannt geworden. Die Redakteure sind optimistisch. Sie hoffen auf die Ansätze, die auch Amazon groß gemacht hätten: Die Kunden zuerst, Innovation und Geduld.

Eine weitere Station meines Trips nach Washington DC vor einigen Wochen war die Washington Post. Wenige Wochen zuvor war der Verkauf des Blattes an Amazon-Gründer Jeff Bezos bekannt geworden. Eine derart traditionsreiche Zeitung im Besitz eines großen Unternehmens, dass wie wenige andere sinnbildlich für Erfolg im Digitalgeschäft steht, sorgte auch in der Redaktion für Wirbel. Der neue Eigentümer sollte keine Verlegerfamilie oder ein bekanntes Medienunternehmen sein, sondern zu einem Online-Kaufhaus gehören. Kann das gut gehen? Continue reading “Was der Verkauf der Washington Post an Jeff Bezos bedeutet:”

American New Media Business Models: Was deutsche Verleger daraus lernen können

In dieser Woche hat Cesca Antonelli, die Redaktionsleiterin des Bloomberg TV Studios Washington DC einen Gastvortrag in meinem Kurs gehalten. Ich denke, von ihren Gedanken können sich deutsche Verleger, Chefredakteure und Medienmacher etwas abgucken. Die totale Publikumsorientierung soll das Erfolgsrezept amerikanischer Medien sein.

Zunächst ein eher allgemeiner Gedanke für ein gutes Medienangebot und ein funktionierendes Geschäftsmodell drum herum: Das Allerwichtigste ist es, sein Publikum genau zu kennen. Für wen mache ich mein Medienangebot? Warum sollte der Konsument ausgerechnet zu mir kommen? Ebenso wichtig ist es, das eigene Produkt bestens zu kennen. Eine zentrale Frage ist dazu, wie das Publikum mein Newsprodukt konsumiert. Problematisch kann es für ein Geschäftsmodell werden, wenn es einen Unterschied zwischen denen gibt, die für den Journalismus bezahlen und denen, die ihn lesen. Das ist ja momentan mit dem rückläufigen Anzeigengeschäft nicht neu zu beobachten. Amerikanische Verleger haben mit drei unterschiedlichen Wegen auf diese Entwicklung reagiert: Continue reading “American New Media Business Models: Was deutsche Verleger daraus lernen können”

Was die Missouri School of Journalism zu bieten hat und warum ich was belege

Die School of Journalism bietet für Graduate Students etwa 80 verschiedene Seminare an. Das ist mit deutschen Journalistik-Studiengängen überhaupt nicht vergleichbar. Im Prinzip gibt es hier nichts, was es nicht gibt. Da ist es gar nicht so einfach, sich für drei Seminare zu entscheiden.

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A visit to a real news media start-up company: Newsy

Mit meinem Kurs “Journalism and Chaos – how to understand and cover 21st century business models” habe ich das 2008 gegründete start-up Newsy.com besucht.

Newsy.com versteht sich als multisource-video-news-service und produziert etwa zweiminütige Videoclips aus der aktuellen Nachrichtenlage. Dabei greift sie komplett auf fremdes Material zurück, welches sie analysiert und bei Interesse verwendet. Ziel von Newsy ist es, Leute zu erreichen, die informiert sein möchten, aber keine Zeit haben, sich ganze Nachrichtensendungen anzusehen. Daher liegt der Focus sehr auf den potenziellen Zuschauern, Newsy versucht die Themen umzusetzen, über die z.B. gerade viel in sozialen Netzwerken diskutiert wird. Continue reading “A visit to a real news media start-up company: Newsy”

School has begun

School has begun! Auf den ersten Blick sieht mein Stundenplan relativ überschaubar aus. Das täuscht aber sehr. Ich hab recht schnell festgestellt, dass es natürlich einen Grund dafür gibt, dass 3 Kurse typisch für amerikanische Graduate Students sind. Am Montag war ich kurz etwas geschockt, als der Dozent in Media Ethics erklärte, was wir das Semester alles machen würden. VIER Hausarbeiten (3x 5 Seiten und eine Research Proposal über 10-15 Seiten) gehören ebenso dazu, wie regelmäßige (benotete) Mitarbeit und die schriftliche Vorbereitung von Fragen zu den (reichlich!) zu lesenden Texten. Liebe Hamburger: Ich möchte Herrn Potthoff zurück!

Denn in Journalism and Chaos ging es genau so weiter. Die Vorlesung beschäftigt sich mit neuen Geschäftsmodellen im Journalismus und das heißt für mich, dass ich neben drei anderen Papers einen Business Plan schreiben darf. Dazu das übliche: Richtig viel zu lesen, benotete mündliche Mitarbeit und unangekündigte Tests. Die Professoren verlangen also richtig viel. Allerdings geben sie auch genauso viel. Prof. Randall Smith macht mit uns eine Kursfahrt nach Washington DC um die bekanntesten Medien (u.A. CNN, The Washington Post, Bloomberg) und The White House zu besuchen. Bei den Medien sollen wir mit den Chefs ins Gespräch kommen, um vor Ort zu sehen, wie sie mit dem Wandel der Medienbranche umgehen. Ich freu mich riesig darauf! Das Bonbon dabei: Der Professor bezahlt Flug und Unterkunft. In Journalism und Chaos sind wir übrigens fast nur Internationals, das macht die Sache für mich recht einfach. Ich bin doch sonst etwas scheu, gleich flüssig auf American English loszulegen.

International News Media Systems habe ich auch bei Prof. Smith. Hier skypen wir in der Vorlesung regelmäßig mit Journalisten aus allen möglichen Ländern und Kontinenten um möglichst viel über Ihre Arbeit, die Arbeitsbedingungen und ihr Verständnis von Journalismus zu erfahren. Für den Kurs musste ich mal eben ein Buch für 100$ kaufen. Völlig normal hier. Zum Glück hab ichs bei Amazon billiger bekommen…

Mit drei Kursen bin ich also echt gut beschäftigt. Vom Workload umfassen sie in etwa das, was man in Deutschland mit 6 Kursen zu tun hat. Ich werde immer mit irgendwas beschäftigt sein. Eine große Prüfung zum Schluss, für die man lernt und es danach vielleicht wieder vergisst, gibt es nicht.