Die Nachrichten sozialer machen

Was ist Journalismus? Wer sind Journalisten? Was gehört zu ihren Aufgaben? Die Antworten auf diese Fragen scheinen einfach zu sein. So wurde es mir zumindest beigebracht. Traditionell ist ein Journalist doch objektiv, er beobachtet und gibt wider. Jetzt denke ich wieder über Fragen wie diese nach.

Bei meiner Arbeit im Community Outreach Team des Columbia Missourians benutzen wir sehr viele Social Media. Wir konzentrieren uns dabei in erster Linie auf das Wort “Social”. Durch das Web 2.0 mit seinen Kindern wie Facebook, Twitter, Blogs, Instagram und vielen anderen Tools können Medien ganz anders mit ihren Lesern – oder etwas weiter gefasst – mit ihrer Community kommunizieren. Es findet keine reine Einwegkommunikation mehr statt, die der Leser höchstens durch einen Leserbrief beeinflussen konnte, natürlich mit der Redaktion als Filter. Heute kann jeder mitmachen im “Free Flow of Communication”. Journalisten können ihn beobachten, herausfischen was sie für wichtig erachten und: mitmachen. Dazu gehört mehr als nur lustige, in der Redaktion entstandende Bildchen auf Facebook hochzuladen um Likes zu erhaschen.

Dafür bieten sich vier Fragen an, die sich Journalisten stellen sollten:

1. Wer ist das Publikum für diese Geschichte?

Das Publikum einer Lokalzeitung mag in erster Linie die Breite Masse der Bevölkerung einer Stadt oder eines Landkreises sein.
Das Publikum für einen Nachruf eines gerade gestorbenen älteren Countrymusikers wohl eher nicht. Wie ein Trichter lässt sich für jedes Thema eine Kernzielgruppe destillieren. Vielleicht reden ja auch schon Leute über ein Thema?

2. Wer kann die Berichterstattung bereichern?

Bleiben wir mal bei einem Nachruf. Der enthält vielleicht ein paar Zitate von Persönlichkeiten, die den Menschen gekannt haben. Womöglich auch ein paar “Voxen”, die Stimme des Volkes. Aber mal ehrlich: Da werden die nach Wahrnehmung des Journalisten die Interessantesten herausgefiltert. Einen ganz anderen Weg ist im Herbst der Columbia Missourian gegangen: In diesem Facebook-Album sind alle eingefangenen oder eingesandten Stimmen als Fotoalbum gesammelt. Ein Blick darauf lohnt!

3. Kann ich mit meinem Thema und dem Recherchestand an die Öffentlichkeit gehen?

Klar, hochinvestigative Stücke oder Gerüchte, die überprüft werden wollen, sollten besser nicht in sozialen Netzwerken geteilt werden. Über den Post “Haben gehört, der Bürgermeister hinterzieht Steuern, weiß da jemand mehr drüber?” sollte man besser mehrfach nachdenken. Trotzdem: Crowdsourcing kann Journalismus bereichern!
Wieder ein Beispiel aus dem Missourian, diesmal aber ohne Link, weil der Artikel mittlerweile hinter einer Paywall verschwunden ist. Im vorherigen Winter gab es hier in Columbia wohl ein ziemliches Schneechaos. Weil sehr viele Unfälle passierten, es umso mehr glatte und nicht geräumte Stellen gab, aber nicht genügend Reporter, rief der Missourian dazu auf, Gefahrenstellen zu melden. Es entstand eine Google Maps Karte mit dem aktuellen Stand der Dinge. Jeder konnte einfach vom Smartphone ein Bild schicken bzw. eine Statusmeldung auf die Landkarte setzen. Das Risiko, dass Leute Unsinn eintragen, besteht natürlich. Aber seinen Lesern von vornherein zu misstrauen ist wohl nicht die beste Grundeinstellung.

4. Warum?

Oder: Was möchte ich mit meiner Geschichte erreichen? Rudolf Augstein sagte mal: “Ein leidenschaftlicher Journalist kann kaum einen Artikel schreiben, ohne im Unterbewußtsein die Wirklichkeit ändern zu wollen.” Um mitzubekommen, ob sich etwas verändern, müssen Journalisten zunächst einmal zuhören. Man könnte auch vereinfacht sagen, das Ziel ist es, Anschlusskommunikation zu erzeugen und Teil davon zu sein. Oft wird in traditionellen Redaktionsstrukturen schnell weiter mit der Tagesordnung gemacht und das nächste Thema steht an. Ohne weiter zu zu hören.

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Was der Verkauf der Washington Post an Jeff Bezos bedeutet:

Eine weitere Station meines Trips nach Washington DC vor einigen Wochen war die Washington Post. Wenige Wochen zuvor war der Verkauf des Blattes an Amazon-Gründer Jeff Bezos bekannt geworden. Eine derart traditionsreiche Zeitung im Besitz eines großen Unternehmens, dass wie wenige andere sinnbildlich für Erfolg im Digitalgeschäft steht, sorgte auch in der Redaktion für Wirbel. Der neue Eigentümer sollte keine Verlegerfamilie oder ein bekanntes Medienunternehmen sein, sondern zu einem Online-Kaufhaus gehören. Kann das gut gehen?

Die Kunden zuerst, Innovtion und Geduld

Ja, sagt Greg Schneider, National Economy and Business Editor bei der Wash Post. Seiner Meinung nach blieb blieb den vorherigen Eigentümern gar nichts anderes übrig, sollte die Post erfolgreich bleiben. Sie hat wie die meisten amerikanischen Tageszeitungen mit Umsatzeinbußen zu kämpfen. Für Schneider waren die alten Inhaber schlicht nicht mehr innovativ genug: “Sie hätten weiter sparen und weiter Journalisten entlassen können, aber das hätte irgendwann das Ende bedeutet.” Stattdessen gingen sie einen neuen Weg und verkauften an Jeff Bezos. Der steht für Weltklasse. Sein neuer Weg beinhaltet laut Bezos die drei Ansätze, die auch Amazon groß gemacht hätten: Die Kunden zuerst, Innovation und Geduld.

Augmented Print Experience

Was die Kunden tatsächlich wollen, scheint bei vielen Medienunternehmen  auf der Strecke geblieben zu sein. Anders kann ich mir deren leider häufige Innovations- und Transformationsresistenz nicht erklären. Bezos will das bei der Washington Post ändern. Greg Schneider kann sich vorstellen, dass das Blatt technologisch von Amazon lernen kann. Wer ein eigenes Tablet baut, der wird auch wissen, wie dafür optimal Inhalte geschaffen werden können. “Augmented Print Experience” nennt Schneider das, was die stärkere Verknüpfung vom digitalen Angebot mit der Zeitung meint. Um wieder kostendeckend zu arbeiten, hat die Washington Post sieben Jahre Zeit.

Hyperjobs für Digital Natives

Währenddessen müssen auch die angestellten Journalisten mit Veränderungen in ihrer Tätigkeit rechnen: “Nur ein Printreporter zu sein, ist ein zurückgehendes Geschäft.” Ein Hyperjob sei das, was Journalisten zukünftig mit Social Media, Print, Audio, Video und Foto können sollten. Deshalb sei eine gute Ausbildung umso wichtiger, die Jobmöglichkeiten aber auch umso besser. Schwarzsehen tut Schneider für die Chancen junger Journalisten nicht, denn: “Sie können kein Blog mit alten Journalisten starten. Dafür brauchen Sie die Digital Natives.”

Weiterhin kritische Recherche – auch über Amazon

Auch die sollen zukünftig bei der Washington Post für großartige Recherche stehen. Den neuen Eigentümer sieht Greg Schneider dabei nicht als Hindernis: “Klar werden wir weiter kritisch über Amazon berichten! Jeff Bezos hat klar gemacht, dass er sich nicht ins Tagesgeschäft einmischt. Und glauben Sie mir, es war seit jeher nicht einfach, über Amazon zu recherchieren. Das wird sich auch nicht ändern.” Man müsse schließlich unterscheiden: “Die Washington Post gehört nun zu Jeff Bezos – aber nicht zu Amazon.” Die Redaktion werde aber künftig über die Eigentümersituation informieren, wenn sie kritisch über den Online-Versand berichtet.

Nach vorne denken – US-Medien und deren Strategien: Politico

SZ-Online Chef Stefan Plöchinger schrieb vor Kurzem acht Thesen zur Zukunft des Journalismus auf: Medien sollten ihre eigenen Qualitäten erkennen, eine eigene Vision entwickeln, eine eigene Multi-Marke bauen, Ideologien widerstehen, neue Strukturen für neue Chancen schaffen, Veränderung als Dauerzustand akzeptieren, Vordenker fördern sowie die Leser ernst nehmen. Während in Deutschland darüber diskutiert wird, gibt es in den USA Medienhäuser, die genau das praktizieren. Politico schon seit sieben Jahren.

Acht Thesen – Politico hatte sie schon 2006

Politico ist eines davon. Vor einigen Wochen habe ich mich dort umgeschaut und mit Bill Nichols, dem Editor-at-Large und früherem Managing Editor gesprochen. Nachdem die zwei Politik-Redakteure Jim VandeHei und John F. Harris von der Washington Post unzufrieden mit der Onlinestrategie der Zeitung waren, machten sie einfach ihr eigenes Ding. Im Herbst 2006 entstand so Politico als neues Multimediaangebot mit 50 Mitarbeitern. Heute sind es über 300. Die eigenen Qualitäten mit der Vision, Nachrichten in Echtzeit zu veröffentlichen, machten Politico zur Gründung 2006 einzigartig. Welches Medienhaus hatte zu dem Zeitpunkt schon das Prinzip “web comes first” auf dem Schirm? Mit Politikberichterstattung rund um den Capitol Hill hatten die beiden Journalisten ihre Nische gefunden – dennoch auf verschiedenen Plattformen. Gibt es neben dem Onlineangebot mit “The Politico” eine Tageszeitung, so verbreitet das Unternehmen seine News auch via Radio und TV. Egal auf welchem Weg, die zentrale Frage, die sich jeder Journalist dort stellt, lautet: “How is this story special, exclusive?” Leitsatz der Redaktion ist, Inhalte zu bieten, die der Leser nirgendwo sonst bekommen kann und die interessant sind: “If we can’t bring something special, we don’t reach the audience.” Die Reporter sind daher angehalten, immer darüber nachzudenken, “how we can monetize this.” Bill Nichols sieht sie als “franchisers”.

So viele Einnahmequellen wie möglich

Dass es nur mit Werbung und Paid Content schwierig sein kann, in Zukunft Geld zu verdienen, war bei Politico von Anfang an klar: “We need as many ways to monetize as we can.” Zwar nimmt das Unternehmen momentan noch knapp 50% des Umsatzes mit der Tageszeitung ein, doch die Tendenz ist sinkend. Daneben ist das wichtigste Standbein das Subscription-Model “Politico Pro”. Wer mehr als die Basics wissen will, muss zahlen. Ansonsten gilt vor allem mobil: “People don’t want a 10.000 word piece – they want just the important news.” Politico holt inzwischen gut die Hälfte seines Traffics durch Aufrufe von Smartphones und Tablets. Die App ist übrigens kostenlos, da sie zunächst die kostenlos verfügbaren Inhalte der Website aggregiert. “Politico Pro” bedeutet auch, weitere Nischen zu besetzen. Mit Ablegern zu Themen wie Health Care, Energy, Trade, Financial Services oder Agriculture macht das Unternehmen sein Geld. In jedem dieser Bereiche gibt es eine genaue Zielgruppe, die bereit ist, für die Inhalte zu bezahlen. Zudem geht in Kürze ein Magazin an den Start, um auch “long-form journalism” im Portfolio zu haben. Weitere Einnahmequellen sind Events, die rund 10-15% des Umsatzes ausmachen oder versponsorte morgendliche Newsletter, die vor Allem Mitarbeiter des Congress beziehen würden.

Ständig auf der Suche nach neuen Einnahmequellen

Derzeit sind die rund 60% der Leser in Washington DC zu finden, weniger, als zunächst angenommen. So sind es nicht nur Politiker und Regierungsmitglieder, sondern auch Leute, die mit Regierungsthemen zu tun haben und in den verschiedensten Berufsfeldern und an den verschiedensten Orten inner- und außerhalb der USA zu finden sind. 10% des Publikums machen Seitenaufrufe außerhalb der USA aus. Stillstand gibt es bei Politico nicht. Anstatt sich nur auf die Berichterstattung am Capitol Hill zu konzentrieren, hat das Unternehmen New York City als neuen Markt für sich entdeckt. Nicht zuletzt wegen den U.N.
Beeindruckend wirkte auf mich die Grundhaltung bei Politico. Den Pessimismus, den ich bei deutschen Verlegern häufig zu sehen meine, gibt es dort nicht. Stattdessen überlegten sich die Redakteure von Beginn an, wie sie die Gratiskultur im Internet verändern können und wie sich mit den verschiedensten Wegen Geld verdienen lässt. Denn Journalismus ist jetzt vielleicht spannender als nie zuvor: “Don’t believe journalism has its best times behind!”

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Das war Teil 1 meines Washington-Reiseberichts. In den nächsten Tagen folgen noch Berichte der Redaktionsbesuche bei der Washington Post, Politifact, CNN, Bloomberg und McClatchy/Hearst.

American New Media Business Models: Was deutsche Verleger daraus lernen können

In dieser Woche hat Cesca Antonelli, die Redaktionsleiterin des Bloomberg TV Studios Washington DC einen Gastvortrag in meinem Kurs gehalten. Ich denke, von ihren Gedanken können sich deutsche Verleger, Chefredakteure und Medienmacher etwas abgucken. Die totale Publikumsorientierung soll das Erfolgsrezept amerikanischer Medien sein.

Zunächst ein eher allgemeiner Gedanke für ein gutes Medienangebot und ein funktionierendes Geschäftsmodell drum herum: Das Allerwichtigste ist es, sein Publikum genau zu kennen. Für wen mache ich mein Medienangebot? Warum sollte der Konsument ausgerechnet zu mir kommen? Ebenso wichtig ist es, das eigene Produkt bestens zu kennen. Eine zentrale Frage ist dazu, wie das Publikum mein Newsprodukt konsumiert. Problematisch kann es für ein Geschäftsmodell werden, wenn es einen Unterschied zwischen denen gibt, die für den Journalismus bezahlen und denen, die ihn lesen. Das ist ja momentan mit dem rückläufigen Anzeigengeschäft nicht neu zu beobachten.

Amerikanische Verleger haben mit drei unterschiedlichen Wegen auf diese Entwicklung reagiert:

1. Digital First:
Einige Zeitungen haben ihr Konzept so ausgerichtet, zunächst für das Digitale zu produzieren und am Ende daraus eine Zeitung für den nächsten Tag zu machen. Damit sie Geld verdienen können, sind sie vor Allem auf Scoops angewiesen, um genügend Besucher auf ihre Internetseite locken zu können. Laut Antonelli seien Scoops wichtiger, als tiefgehende Analysen. Die liefern auch eher Wochenzeitungen. Zentrales Element der Strategie ist Social Media, um vor allem junge Leute zu gewinnen, die keine Lust haben, jeden Tag die Internetseite von Zeitungen aufzurufen und ihre News lieber durch Facebook, Twitter etc. erfahren. Man kann sich allerdings die Frage stellen, ob diese Strategie das Medium Zeitung nicht komplett überflüssig macht. Wozu sollte der Leser noch die Zeitung kaufen, wenn er alles auf der Internetseite findet? In den USA konsumieren 2013 mehr Menschen digital ihre Nachrichten, als über andere Medien.

2. Premiummarken:
Die New York Times wird gelesen, weil sie die New York Times ist und einen unheimlich hohen Markenwert hat. Zeitungen wie sie setzen auf Paywalls und eine tolle, “snazzy”App, mit der sich Geld verdienen lässt. Sie setzen darauf, dass der Leser zu ihnen kommt, weil sie das beste Produkt haben. Dabei kann man sich fragen, ob sie auch schnell genug sind, oder ob der Leser die aktuellsten Nachrichten nicht doch schon woanders gelesen hat und den Mehrwert durch eine tolle App oder besonders schön ausgearbeitete und dargestellte Geschichten dann doch nicht so groß ansieht. Der Markt dafür scheint aber da zu sein, wenn sich Medienmacher einmal genau fragen, wie die Leser die Nachrichten aufbereitet haben möchten.

3. Nischen:
Nach dem Grundsatz “as the internet gets bigger, smaller ideas get better” bietet das Internet Raum für Nischenprodukte. Warum nicht ein Onlinemagazin über amerikanischen Hochschulsport eröffnen? Ein gutes Beispiel in Deutschland ist das Onlineportal www.liga3-online.de. Ein paar junge Menschen vermissten in Kicker, Sportbild etc. Berichte zur dritten Liga und machen sie nun einfach selbst. Was als kleines Blog anfing, hat nun eine beachtliche Reichweite. In den USA wird auch hier mit Paywalls experimentiert. Wenn die Einzigartigkeit nur groß genug ist und das Medium auch Scoops produziert, warum sollten Leute nicht dafür bezahlen?

Ein besonderes Geschäftsmodell haben beispielsweise das Politmagazin Politico (www.politico.com) und der TV-Sender Bloomberg, der vor allem auf weltweite Wirtschaftsnachrichten setzt. Politico macht sein Geld mit wechselnden Modellen und einer Mischung aus Web, Print (was nach Antonelli aber eher Marketing für den Rest zu sein scheint), Alerts, Newsletter und Abonnenten. In Zukunft probieren sie sich wohl auch in weiteren Nischen aus, mit PoliticoPro Education wollen sie zum Beispiel Bildungsthemen besetzen.
Bloomberg hingegen verdient das meiste Geld mit sogenannten Bloomberg Terminals. Dahinter steckt ein Computersystem, was Wirtschafts- und Finanzdaten live analysiert und z.B. von Banken und Versicherungen erworben wird. Das hatte allerdings zur Folge, dass es Bloomberg während der Bankenkrise nicht besonders gut ging.

Egal welches Mediengeschäftsmodell einen derzeit zum Erfolg führt, eines sollte sich jeder Medienmacher wohl permanent fragen: Funktioniert mein Geschäftsmodell morgen auch noch?

A visit to a real news media start-up company: Newsy

A visit to a real news media start-up company: Newsy.com. Mit meinem Kurs “Journalism and Chaos – how to understand and cover 21st century business models” habe ich das 2008 gegründete start-up Newsy.com besucht. Die Firma versteht sich als multisource video news service und produziert etwa zweiminütige Videoclips aus der aktuellen Nachrichtenlage. Dabei greift sie komplett auf fremdes Material zurück, welches sie analysiert und bei Interesse verwendet. Ziel von Newsy ist es, Leute zu erreichen, die informiert sein möchten, aber keine Zeit haben, sich ganze Nachrichtensendungen anzusehen. Daher liegt der Focus sehr auf den potenziellen Zuschauern, Newsy versucht die Themen umzusetzen, über die z.B. gerade viel in sozialen Netzwerken diskutiert wird. Mit dem Copyright sind die Amerikaner nicht so streng: Newsy nutzt maximal zwölfsekündige Sequenzen einer Quelle, die auch deutlich kenntlich gemacht wird. So kann ein Video aus Bildmaterial von etwa sechs bis zehn Quellen bestehen, welches von einem Newsy-Mitarbeiter mit einem Nachrichtentext overvoiced wird. Bis ein Video online geht, wird es mehrmals gegengecheckt und wird es von verschiedenen Mitarbeitern abgenommen. Es gibt eine Textabnahme, eine Bildabnahme und eine Endabnahme, was mich in der Summe schon überrascht hat, da Newsy ein kleines Unternehmen ist. Die Geschäftsidee ist interessant, aber ob das in Deutschland so einfach zu machen wäre, bezweifle ich stark, wenn man bedenkt, wie viel Wirbel das Leistungsschutzrecht ausgelöst hat. Mit der Webseite und den Apps für Smartphones und Tablets macht Newsy bislang kaum Geld, das Unternehmen ist auf Partnerschaften angewiesen. So sind beispielsweise Mashable.com und die Huffington Post Kunden von Newsy. Weiter hofft das Unternehmen, stärker mit Tageszeitungen ins Geschäft zu kommen, um so Text mit Bildmaterial zu verbinden. Das wäre meiner Meinung auch etwas für den deutschen Markt. Wenn deutsche Zeitungen Videos produzieren, sieht das bislang leider eher peinlich aus. Oder?