Learnings aus 15 Monaten Executive Program in News Innovation and Leadership

Von Januar 2020 bis März 2021 habe ich mich im Executive Program in News Innovation and Leadership an der Craig Newmark Graduate School of Journalism der City University New York intensiv mit Themen wie Geschäftsmodellen, Strategie, Metriken, nutzerzentrierter Produktentwicklung, Kultur, Change Management oder Resilienz beschäftigt.

Zum Abschluss des Programms unter der Leitung von Anita Zielina und Jeff Jarvis haben meine 15 KommilitonInnen und ich per Zoom einer breiten Fachöffentlichkeit unsere Capstone-Projekte vorgestellt. Dabei haben wir uns mit einer relevanten strategischen Frage im Journalismus auseinandergesetzt. Mein Thema: “From mass media to niche audiences: How to develop audience-centric products at a regional newspaper”

“When I look at successful digital news companies with products — for example, newsletters — I always see, they have a very targeted audience and a very well-defined value proposition for them. So I think we can already see a pivot from mass media to niche audiences on the internet. To me, one product for all does not sound like a promising strategy.”

Alexander Drößler

Warum dieses Thema? Wie regionale Zeitungsverlage ihre digitale Produktstrategie weiterentwickeln können, ist die Frage, die mich wirklich seit Jahren beruflich wach hält. Wer mich länger kennt weiß, als Student wollte ich nie bei einer Zeitung arbeiten, denn das habe ich als aussterbendes Geschäft gesehen. Wie es das Schicksal wollte, bekam ich meinen ersten Job ausgerechnet bei meiner Heimatzeitung, der Neuen Westfälischen, nachdem ich sie auf Facebook im Rahmen einer Umfrage für ihre damalige Internetseite kritisiert hatte. So fing ich im Februar 2015 als Digital-Redakteur an und war froh, verbessern zu können, was ich zuvor kritisiert hatte. Dabei faszinierten mich die aus meiner Sicht radikalen Ansichten von Jeff Jarvis über die Zukunft des Journalismus und seiner Geschäftsmodelle: Das Internet killt das Geschäftsmodell von Massenmedien.

 “We cannot still shovel our old product — content — into this new reality and think we will find new ways to support what we used to do.” 

Jeff Jarvis

Jarvis hält uns Medienhäusern vor, mit unserem „alten Produkt“ Zeitung die Öffentlichkeit als eine homogene Masse zu behandeln, die sie nicht sei, “all the same, delivering a one-way, one-size-fits-all product that we fill with a commodity we call content”. Mit seinen Sätzen in “Death to the Mass” erklärt er für absurd, was die meisten deutschen Regionalverlage mit ihren Paid-Content-Strategien tun. Jahre später, am Ende dieses Programms, muss ich ganz ehrlich sagen: Ich stimme umso mehr zu.

Beschreibbare Zielgruppen statt anonyme Masse

In meinem Capstone argumentiere ich, wieso ich das so sehe und was ich stattdessen vorschlage. Dazu habe ich mir zunächst den amerikanischen Markt sowie die Erfolgsfaktoren von digitalen Abo-Modellen im Journalismus genauer angesehen. Außerdem habe ich zusammengefasst, was erfolgreiche Digital-Startups gemeinsam haben und was wir als Zeitungsverlage in Sachen Audience Centricity von ihnen lernen können: Ich argumentiere, warum Zeitungen sich besser auf gut beschreibbare Zielgruppen konzentrieren und aufhören sollten, für eine Masse zu produzieren.

Dazu habe ich einen Vorschlag aufgeschrieben, wie der Einstieg dazu gelingen kann, abgeleitet aus den Kursen des Programms und meiner Arbeit als Digital Transformation Manager beim Nordkurier. Ich bin davon überzeugt, dass dies leicht auf verschiedene Zielgruppen übertragbar ist und in Medienhäusern realisierbar ist, die keine eigene Abteilung für Forschung und Entwicklung haben.

Wer das Capstone gern lesen möchte, schickt mir bitte eine Nachricht, zum Beispiel bei LinkedIn oder Twitter.

Programmdirektorin Anita Zielina zum Abschluss des Programms:

Today is a very emotional day. It’s my 1-year pandemicversary. Also, it’s graduation day for the inaugural #newmarkjleaders cohort. Let me share some words of reflection, optimism & praise 👉

These leaders have shown amazing resilience, empathy, generosity, grit and humor in an incredibly rough year. It was such a gift to be able to learn with and from them, and I can’t wait to see how they shape the future of media

I could not be prouder of the diverse and international group of participants, coaches and instructors @mdipento @jeffjarvis and I assembled in our tiny little mission of, well, revolutionalizing leadership in media through education

This is the post-it note I stuck to my laptop 2 years ago when I started to build this program. Today, I feel that a better media world really is possible. I’m not crying, you’re crying 🥲

Originally tweeted by Anita Zielina (@Zielina) on 12/03/2021.

Gastbeitrag bei Medieninsider: Es gibt nicht nur eine Zielgruppe

2020 war für die Medienbranche ein herausforderndes Jahr. In seiner Serie “Medientrends 2021” betrachtet der Branchendienst Medieninsider jedoch nicht, was war, sondern blickt nach vorne. Gründer Marvin Schade hat verschiedene Branchenexperten gefragt, was 2021 wichtig wird. Sie schreiben über allgemeine Trends und darüber, was sie in ihren Fachgebieten erwarten. Ich durfte aufschreiben, was ich für den Lokaljournalismus erwarte.

Welchen Wert hat Journalismus?

Kevin Kaisers Argumentation zur Value Creation folgend hat digitaler Journalismus keinen Wert. Inwiefern stimmt das? Wie lässt sich der Journalismus-Wert messen und wichtiger, für ein digitales Geschäftsmodell erhöhen?

Beim Thema “Business Impact, ROI and Value Creation” unserer wöchentlichen Class im News Innovation & Leadership Program an der CUNY hatte ich mich eher auf eine zähe Session eingestellt. Stattdessen haben wir über einen Text diskutiert, der bei mir eine provokante Frage aufwarf: Bieten wir mit unseren journalistischen Digitalangeboten eigentlich einen Wert?
Continue reading “Welchen Wert hat Journalismus?”

Durch Corona unter Druck: Wie können wir den Journalismus in der Krise neu denken?

Durch die Corona-Pandemie ist auch der Journalismus stark unter Druck: Die Nachfrage ist riesig, aber die Finanzierung wackelt. Doch die Krise ist auch eine Chance, Journalismus neu zu denken. Ein Weg: In Communities denken und ihre Bedürfnisse verstehen.

Continue reading “Durch Corona unter Druck: Wie können wir den Journalismus in der Krise neu denken?”

#ijf18: Deshalb haben Traditionsmedien ohne organisatorische Transformation keine Chance

Um digital erfolgreich zu sein, müssen Medienunternehmen genauso viel in die Transformation der Organisation wie in die Produkte investieren. Das erfordert eine andere Unternehmenskultur und stärkeres strategisches Denken.

Die Einen sehen den Demogorgon, das unsichtbare Monster aus “Stranger Things”, die Anderen nicht. So beschreibt Lucy Küng beim International Journalism Festival ein aus ihrer Sicht zentrales Problem von traditionellen Medien. “Es gibt immer eine Gruppe von Menschen, die verstehen, welche Herausforderungen auf sie zukommen. Und auf der anderen Seite gibt es Menschen, die es entweder nicht verstehen oder es lieber nicht verstehen wollen.” Continue reading “#ijf18: Deshalb haben Traditionsmedien ohne organisatorische Transformation keine Chance”

#ijf18: Paid Content? Membership? Wie das Business Modell die redaktionelle Strategie beeinflusst

Reader Revenue wird immer wichtiger für die Finanzierung von Journalismus im Digitalen. Was Paid Content von Membership unterscheidet und was das in der Konsequenz für die redaktionelle Strategie bedeutet, war Thema beim International Journalism Festival Perugia.

Für Rasmus Nielsen vom Reuters Institute der University of Oxford ist klar, warum Medien mit Paid Content im Digitalen bislang kaum erfolgreich sind: „Der meiste Journalismus im Internet ist es nicht wert, dafür zu bezahlen.“ Der Journalismus-Professor weiter: „ Wenn ihr etwas produzieren möchtet, für das Menschen bereit sind, zu bezahlen, muss es einen Wert für sie haben.“ Mit welchen Ansätzen das gelingen kann, war eines der dominanten Themen beim International Journalism Festival in Perugia. Continue reading “#ijf18: Paid Content? Membership? Wie das Business Modell die redaktionelle Strategie beeinflusst”

#ijf17: Wie User-Engagment Journalisten beim Geld verdienen helfen kann

Journalisten sollten ihre Arbeitsweise grundlegend verändern. Ein Ansatz ist dafür Public-Powered-Journalism. Eindrücke vom International Journalism Festival in Perugia.

Es ging los mit einer Standpauke: “Wir Journalisten sind arrogant gegenüber Lesern und neuen Playern im Journalismus.” Die These stammt von Lina Timm, der Leiterin des Media.Lab Bayern, aufgeworfen bei einer Diskussion über die Frage, ob Trump gut für den Journalismus sei. Der US-Präsident war das dominierende Thema des International Journalism Festival in Perugia. Vom 5. bis zum 9. April haben sich tausende Medienschaffende in der kleinen Stadt in Umbrien in der Mitte Italiens getroffen. Die größte europäische Journalismus-Veranstaltung brachte über 600 Speaker in über 250 verschiedenen Panels zusammen. Continue reading “#ijf17: Wie User-Engagment Journalisten beim Geld verdienen helfen kann”

Nach vorne denken – US-Medien und deren Strategien: Politico

Den Pessimismus, den ich bei deutschen Verlegern häufig zu sehen meine, gibt es bei Politico nicht. Stattdessen überlegten sich die Redakteure von Beginn an, wie sie die Gratiskultur im Internet verändern können und wie sich mit den verschiedensten Wegen Geld verdienen lässt. Ein Besuch.

SZ-Online Chef Stefan Plöchinger schrieb vor Kurzem acht Thesen zur Zukunft des Journalismus auf: Medien sollten ihre eigenen Qualitäten erkennen, eine eigene Vision entwickeln, eine eigene Multi-Marke bauen, Ideologien widerstehen, neue Strukturen für neue Chancen schaffen, Veränderung als Dauerzustand akzeptieren, Vordenker fördern sowie die Leser ernst nehmen. Während in Deutschland darüber diskutiert wird, gibt es in den USA Medienhäuser, die genau das praktizieren.

Continue reading “Nach vorne denken – US-Medien und deren Strategien: Politico”